ULRICH HAUG REAKTIONEN




Über Douglas

Sieht man Douglas zum ersten Mal, so ist er versteckt, seine Schönheit lässt sich nur erahnen, auf den zweiten Blick, wenn man näher kommt, dann wird er schön und schöner. Er will sich nicht einfach zeigen, er will entdeckt werden. Das ist das Geheimnis der Wachskunst von Ulrich Haug. Die Bilder, entwickeln bei jeder neuen Betrachtung eine andere Facette. Licht, Schatten, durchsichtig oder opak, immer lohnt ein zweiter Versuch, sich dem, was sich da unter den vielen Schichten aus Wachs, Zeichnungen, Fotos und Fundstücken verbirgt, zu nähern - oder sind es schon Skulpturen?
Ulrich Haug bringt Materialien in seine Werke ein, die ihm zufällig begegnen. Er läuft durch die Stadt und findet verkohlte Ziegelstücke, sie liegen jetzt weich eingebettet in einer dicken Wachsschicht. In den französischen Wäldern hat es gebrannt, verkohlte Holzstücke bilden jetzt eine neue Landschaft in Wachs. Auf dem Flohmarkttisch liegt ein Jesus am Kreuz, hundertfach taucht er jetzt aus einer dicken Wachsschicht auf und unter. Eine Parabel für das Leben oder das Sterben?
Wenn ich die Douglas-Serie mit den Bildern vergleiche, die ich von Ulrich Haug kenne, dann habe ich das Gefühl, er will es mir diesmal leichter machen. Das schöne Gesicht zieht vordergründig alle Blicke auf sich. Es dauerte eine Weile, bis ich entdeckt habe, das er nackt ist und nicht aus dieser Zeit.
Auch Douglas und seine Fotos sind Fundstücke. Die kleinen Kontaktabzüge von Douglas James Johnson, dem amerikanischen Maler und Zeichner, lagen über Jahrzehnte in einem Haus in Südfrankreich. Schon seit Jahren begleiten Haug Johnsons großformatige Malereien. 2009 fand er die Anzüge und zahlreiche Dias, die der Künstler als Studien für seine Arbeiten angefertigt hat. Hier schafft Haug nun seinen sehr persönlichen Zugang zum Leben des Malers.
Nähert man sich den Bildern von Ulrich Haug, dann muss man auf eine Überraschung vorbereitet sein – und ist es nicht genau dieser überraschende Moment, der ein Bild interessant und aufregend macht. Mein Liebling, denn nur als bild kann man es nicht bezeichnen, ist der erste Schöpfungstag. Eine Explosion aus Wachs, Teer und allerlei anderen Kleinteilen – immer wenn ich es sehe, bekomme ich Lust, etwas Neues zu beginnen.
Sieht man die Bilder von Ulrich Haug zum ersten Mal, sind sie Gebilde aus Wachs, die irgendwie durchscheinend sind oder auch nicht, gemalt sind und auch gegossen, Fotografien enthalten oder ein Stück Wald. Sie strahlen eine Kraft aus, die für mich unerklärlich bleibt.
Ein Spaziergang mit Ulrich Haug ist ein Erlebnis. Er ist der Beste theoretische Wegfinder den ich kenne. Theoretisch. Niemals geht es auf dem offiziellen Weg zum Ziel - nein, man müsste doch auch da hinten herum, über den Berg und dann wieder links da müsste es doch irgendwo zurückgehen. Urvertrauen braucht man und eilig darf man es nicht haben. Genauso, wie auch seine Bilder keine Eile vertragen. Sie fordern uns auf zu Verweilen uns zu Schlendern und mit dem zweiten und dritten Blick auf die Suche zu gehen.
© 2010-2018 Ulrich Haug

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