ULRICH HAUG REAKTIONEN




Metaphern in Wachs

Bereits Ulrich Haugs Werdegang lässt ein hohes Maß an Sensibilität ahnen. Geboren 1972 in Fluorn, studierte er 1992-96 Sonderpädagogik mit Hauptfach Kunst in Ludwigsburg und Tübingen, 1994-96 am Tübinger Zeicheninstitut und 2002 an der Europäischen Kunstakademie Trier. Seit 1997 unterrichtet Haug an verschiedenen Schulen für Geistigbehinderte, seit 1999 vermittelt er elementare Gestaltungstechniken, Malerei, Drucken und Plastik am Staatlichen Seminar für Schulpädagogik Stuttgart. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen seit 2003 und schließlich die regelmäßige Präsenz bei der art Karlsruhe seit 2011 haben sein künstlerisches Schaffen in Deutschland und darüber hinaus bekannt gemacht. Haug lebt und arbeitet in Waiblingen.

Ungewöhnlich ist schon das Material, das Haug als das seinem künstlerischen Impetus entsprechendste entdeckt hat: Wachs. Wohl wurde Wachs bereits in der Antike künstlerisch genutzt und besonders seit Beginn der Neuzeit für plastische Studien eingesetzt. Doch bis zur zeitgenössischen Kunst bleibt es als tragendes Material der künstlerischen Aussage die Ausnahme, gewinnt dann aber, nicht zuletzt und vor allem bei Beuys, eine tiefe symbolische Dimension. Insofern beschreitet Ulrich Haug zwar einerseits einen sehr eigenen Weg, reiht sich aber dennoch in eine prominente Tradition. Seine Wandobjekte vermögen - oft im Stile feiner musikalischer Variationen seriell – symbolische Vielschichtigkeit, historische und biologische Dimensionen, die Grade der Diaphanie zwischen opak und transparent, aber auch die natürlichen und technischen Entstehungs- und Verarbeitungsvarianten des Materials kongenial auszuloten und zu sensiblen Sinn-Bildern zu werden. Nicht nur, weil als Fundstücke auch kleine Kruzifixe eingearbeitet sind und Haug immer wieder zur Form des Triptychons greift: Vielen seiner Arbeiten eignet ein fast religiöser Charakter. Jedenfalls die Eigenart, das Werden und Vergehen - das jeweils andere durchscheinen lassend - als Metamorphosen einer bleibenden höheren Existenz erfahrbar zu machen.

Thomas Becker, Kunsthistoriker Reutlingen
© 2010-2018 Ulrich Haug

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